Bergbahnen und Camper sind ein natürliches Paar: Die Gäste reisen am Abend an und stehen am Morgen als Erste auf dem Berg, ob zum Wandern, Biken oder Skifahren. Immer mehr Bahnen stellen darum signalisierte Stellplatz-Bereiche bereit und rechnen Übernachtungsgebühren und Tourismusabgaben digital ab. Wie das in der Praxis funktioniert, erzählt Michael Wehrli von der Säntis-Schwebebahn AG, einem Gastgeber der ersten Stunde.
Warum überhaupt ein System?
Die Ausgangslage kennen viele Destinationen: Durch die Übernutzung beliebter Spots, befeuert von Geotag-Apps, entstand vielerorts eine Wildcamping-Problematik, auf die überforderte Gemeinden mit Campingverboten reagierten. Parkn’Sleep dreht die Logik um: Camper fahren den Platz spontan an, Check-in und Bezahlung laufen digital vor Ort über den QR-Code, die Kurtaxe fliesst automatisch an die Gemeinde, rund 180 Schweizer Gemeinden sind an die Kurtaxenabgabe angeschlossen, das Konzept wurde mit dem Tourismuspreis „Milestone“ ausgezeichnet.
Das Interview
Michael, seit wann nutzt die Säntisbahn das System?
Seit Mai 2022.
Was war der ausschlaggebende Grund für die Zusammenarbeit?
Wir wollten ein System, das autonom läuft und keinen zusätzlichen Verwaltungsaufwand generiert.
Worin siehst du die Vorteile für die Säntisbahn?
Neben dem zusätzlichen Einkommen wollten wir vor allem Ordnung schaffen und die Wohnmobile von den Personenwagen trennen. Wir haben die Wohnmobile jetzt dort, wo wir sie haben wollen.
Wie viele Stellplätze bietet ihr an, und was kam dabei heraus?
Momentan elf signalisierte Stellplätze. In der ersten Saison konnten wir bereits 370 Check-ins verbuchen, das sind rund 600 Logiernächte, denn meistens ist man zu zweit unterwegs oder bleibt mehr als eine Nacht.
Wie kam der Self-Check-in bei den Gästen an?
Im Grossen und Ganzen unproblematisch, digitale Prozesse sind die Gäste gewohnt. Das grösste Problem ist, wenn ein ausländischer Camper kein Roaming hat, aber das sind seltene Fälle.
Bleibt es bei der Sommer-Saison?
Geplant waren zuerst nur die Sommermonate, weil die Schneeräumung auf dem grossen Platz schwierig wird. Nach dem erfolgreichen Sommer möchten wir nun aber zwei bis drei Plätze direkt beim Gebäude ganzjährig betreiben.
Für welche Bergbahnen lohnt sich das aus deiner Sicht?
Grundsätzlich braucht es eine Parkplatz-Infrastruktur mit einigermassen ebenen Flächen. Und weshalb man es tun sollte, ist ganz einfach: Wir können es uns nicht leisten, dieses wachsende Kundensegment nicht zu beherbergen.
Dein persönliches Fazit?
Wir sind sehr zufrieden. Für den Camper ist es einfach zu bedienen, für uns ein unkompliziertes System, das den Alltag vereinfacht und Wertschöpfung generiert, anteilsmässig am Gesamtumsatz ein kleiner Teil, aber nicht zu unterschätzen: Die Camper sind gerne willkommen und haben ein nachhaltiges Erlebnis mit der ganzen Destination.
Über den Säntis
Der Säntis ist der höchste Berg der Bodenseeregion, mit Panoramablick auf sechs Länder. Zusammen mit der Schwägalp, dem NaturErlebnispark und unzähligen Wanderwegen gehört er zu den beliebtesten Ausflugszielen der Ostschweiz. Mehr unter saentisbahn.ch.
🚡 Selbst dort übernachten? Die Live-Verfügbarkeit des Säntisbahn-Stellplatzes siehst du direkt in der App. Und wer als Bergbahn, Gemeinde oder Betrieb eigene Plätze anbieten will: parknsleep.com/host.
Interview aus dem Parkn’Sleep-Unternehmensblog; Zahlen beziehen sich auf die erste Betriebssaison der Säntisbahn mit dem System.






